Neue Multi-Client-Studie28.05.2011

Mobile Arbeitsmaschinen in China

Seit der Finanzkrise hat sich China als weltgrößter Produzent von Bau- und Landmaschinen sowie Flurförderfahrzeugen etabliert. Diese Entwicklung wird die globale Industrielandschaft in diesen Branchen nachhaltig verändern.

China 2010 erstmals größter Produzent von mobilen Arbeitsmaschinen

Im Jahr 2010 war China zum ersten Mal der weltweit größte Produzent von mobilen Arbeitsmaschinen. Je nach Segment stieg die Produktion von Baumaschinen, Landmaschinen und Flurförderfahrzeugen im Zeitraum zwischen 2001 und 2010 durchschnittlich mit Raten zwischen 20 und 30% pro Jahr.

Dieses Wachstum war einerseits getrieben vom wirtschaftlichen Aufholprozess des Landes mit großen Investitionen in Wohnimmobilien sowie dem Aufbau von Industriekapazitäten und Verkehrsinfrastruktur. Ferner wurde die Produktion in den einzelnen Sektoren von jeweils individuellen Faktoren beeinflusst.

So wurde die Nachfrage nach Baumaschinen in China durch ein 442 Mrd. Euro starkes Infrastrukturprogramm seit Ende 2008 massiv gestärkt, während die weltweite Nachfrage 2009 um 24% einbrach und sich anschließend nur langsam erholte. Die meisten der initiierten Infrastrukturprojekte starteten erst 2010 in ihre kritische Phase, was die Nachfrage nach Baumaschinen weiter steigerte und nach unseren Erhebungen zu einer Produktion von über 500.000 Einheiten mit einem Wert von etwa 41,4 Mrd. Euro führte.

Im Bereich Landmaschinen besteht sowohl hinsichtlich des Reifegrads der Industrie, als auch der Mechanisierung der einheimischen Landwirtschaft enormer Aufholbedarf. Die rapide Entwicklung zu einer modernen Industriegesellschaft treibt die Lebensmittelpreise und zwingt das Land zu einer raschen Modernisierung seiner Landwirtschaft. Die chinesische Regierung versucht, dieser Herausforderung mithilfe von massiven Subventionen zu begegnen. 2010 etwa flossen allein 1,5 Mrd. Euro in Anschaffungssubventionen für Landmaschinen. Über 90% der Traktorverkäufe wurden mit teilweise bis zu 75% des Anschaffungspreises bezuschusst. Nach unseren Recherchen wurden 2010 insgesamt über 600.000 4-Rad-Traktoren, 165.000 Mähdrescher und andere selbstfahrende Erntemaschinen sowie 15.000 selbstfahrende Reispflanzer in China produziert.

Die Produktion von Flurförderzeugen korrelierte eng mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, wurde seit Anfang 2009 allerdings auch durch staatliche Maßnahmen gestützt. 2010 wurden in China 275.000 Gabelstapler und Lagertechnikfahrzeuge hergestellt, wovon ein nennenswerter Anteil von etwa 30% exportiert wurde.

 

Industrien noch stark fragmentiert, führende einheimische Hersteller streben in Richtung Weltspitze

Von den drei untersuchten Industrien ist der Bereich Baumaschinen am weitesten entwickelt. Wir identifizierten 65 relevante Baumaschinenhersteller, die in China Produktionsstätten unterhalten, darunter sind 18 ausländische Unternehmen. Von den chinesischen Herstellern sind acht unter den globalen Top 50, drei davon sogar unter den globalen Top 10. Vor einem Jahrzehnt noch nahezu unbekannte Maschinenhersteller setzen westliche Platzhirsche zunehmend unter Druck. Beispielsweise waren im Bereich Bagger, nach Radladern dem größten Maschinensegment im chinesischen Baumaschinenmarkt, ausländische Hersteller 2008 noch für 70% der Produktion verantwortlich. 2010 waren es nur noch knapp über 50%. Die größte Wachstumsdynamik herrscht gegenwärtig allerdings bei Mobil- und Raupenkranen, Betonpumpen sowie Bodenverdichtungs- und Straßenbauausrüstung.

Im Bereich Landmaschinen identifizierten wir 57 relevante Hersteller von Traktoren, selbstfahrenden Erntemaschinen und Reispflanzern, teilweise mit sehr einfacher Technologie. Unter diesen Unternehmen sind auch 12 ausländische Landmaschinenhersteller, die Produktionsstätten in China unterhalten, bzw. dort gerade Kapazitäten aufbauen. Der Markt für Traktoren und Erntemaschinen wird von den beiden großen chinesischen Herstellern YTO und Foton Lovol, gefolgt von ausländischen Herstellern, dominiert. Das Segment  selbstfahrender Reispflanzer ist momentan weitgehend in der Hand von japanischen und koreanischen Unternehmen, allerdings gewinnen auch hier chinesische Hersteller immer mehr Marktanteile.

Bei Flurförderzeugen ermittelten wir 53 relevante Hersteller. Der Bereich klassischer Gabelstapler mit Verbrennungsmotoren wird von den Firmen Anhui HeLi und Hangcha dominiert, die zusammen für 39,7 % der inländischen Produktion dieser Maschinengruppe verantwortlich sind. Insbesondere in diesem Segment ist der Produktdifferenzierungsgrad nur sehr gering ausgeprägt. Stärker auf die Herstellung von Produkten mit höherer Wertschöpfung, wie beispielsweise Lagerhaustechnik konzentrierte Hersteller, waren bisher in erster Linie auf den Weltmarkt ausgerichtet. Mit der Entwicklung des Heimatmarkts ändert sich dies allerdings, ferner steigt die Nachfrage nach Containerstaplern, Hubstaplern und geländegängigen Staplern. Die 17 in China produzierenden ausländischen Hersteller von Flurförderzeugen tragen zu 25% der Gesamtproduktion in diesem Segment bei.

Mehr Professionalität, fortschreitende Konsolidierung

Das Wachstum der vergangenen Jahre hat auch den Wettbewerb unter den Maschinenherstellern verstärkt. Professionelles Management und Profitabilität haben deutlich an Stellenwert gewonnen.

Gleichzeitig schreitet die Konsolidierung der verschiedenen Branchen voran. Dies wird aktiv von der chinesischen Regierung mithilfe verschiedener Maßnahmen zur Erleichterung von Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüssen unterstützt. Andere Mittel zur Marktbereinigung sind Emissionsvorschriften, durch die Hersteller mit veralteter Technologie aus dem Markt gedrängt werden, oder – im Bereich Landmaschinen – genaue Vorgaben, welche Produkte welcher Hersteller in der Anschaffung subventioniert werden.

In allen drei Branchen konnten Hersteller mit einer bereits starken Marktposition diese durch überlegene Produkte, aggressives Pricing und den Aufbau professioneller Vertriebsorganisationen in den vergangenen Jahren weiter ausbauen.

Stärkung der einheimischen Zulieferindustrie

Ein Schwachpunkt der chinesischen Hersteller von mobilen Arbeitsmaschinen ist der Mangel an einheimischem Know-How in Schlüsseltechnologien wie Hydraulikkomponenten, leistungsfähigen Motoren, elektronischen Kontrollsystemen und Getrieben. Die Maschinenbestandteile mit hoher Wertschöpfung werden zu großen Teilen aus Deutschland, Korea oder Japan importiert, was Kostennachteile und Probleme bei der Versorgungssicherheit für die einheimische Industrie mit sich bringt. So kam es während dem Wirtschaftsboom 2008 aufgrund von Lieferengpässen bei westlichen Komponentenherstellern zu Produktionsausfällen bei chinesischen OEMs. Ebenso nach dem Erdbeben in Japan im März 2011. Die chinesische Regierung hat daher in ihrem 12. Fünfjahresplan, der im Frühjahr 2011 verabschiedet wurde, eine stärkere Unterstützung sogenannter Advanced Industries beschlossen.

Entwicklung eigener umweltfreundlicher und energieeffizienter Technologien

Insbesondere im Bereich Baumaschinen fördert die chinesische Regierung aktiv die Entwicklung von umweltfreundlichen, energieeffizienten Antriebstechnologien, wie z. B. die Entwicklung von Baggern mit hybriden Antriebssystemen. Dies zum einen, um bei steigendem Wohlstand auf breiter Front Ressourcen zu sparen. Zum anderen ist damit auch die Hoffnung verbunden, mithilfe disruptiver Technologien zu den etablierten Wettbewerbern aus dem Ausland aufzuschließen, bzw. diese sogar zu überholen.

Aufbau von Produktionskapazitäten in Schwellenländern, Übernahmen westlicher Wettbewerber und Zulieferer

Für Chinas Maschinenhersteller liegen die Märkte der Zukunft vorrangig in den Schwellenländern Asiens und Südamerikas sowie in Afrika. Dafür sprechen deren Demografiestrukturen und Wachstumspotentiale sowie die Vorteile chinesischer Unternehmen gegenüber ihren westlichen Wettbewerbern in diesen Märkten: Sie treffen hier auf ähnliche Kundenbedürfnisse wie in ihrem Heimatmarkt – der vorrangige Wunsch nach preisgünstigen Maschinen, niedrigere Anforderungen an Emissions- und Sicherheitsvorschriften etc. Beispielsweise unterhalten die großen Baumaschinenhersteller bereits Fertigungsstandorte in Brasilien oder Indien, bzw. bauen dort momentan entsprechende Kapazitäten auf.

Weitere Strategieansätze sind zum einen der selbständige Aufbau von Produktionskapazitäten in Europa und den USA für eine größere Nähe zu den Zulieferern für Schlüsselkomponenten (Sany). Darüberhinaus kam es in den Bereichen Baumaschinen und Flurförderzeugen zu den ersten Übernahmen westlicher OEMs und Zulieferer durch chinesische Unternehmen (Zoomlion, Liugong, EP). Diese erhoffen sich dadurch einen besseren Zugang zu deren angestammten Märkten sowie zu deren technologischem Know-How.

Weiterhin gute Zukunftsaussichten

Im Bereich Baumaschinen werden ehrgeizige Infrastrukturprogramme für eine stabile Nachfrage nach neuen Baumaschinen über das Jahr 2020 hinaus sorgen. Experten gehen ferner davon aus, dass die Urbanisierungswelle mit entsprechenden positiven Effekten auf die Bauwirtschaft noch mindestens zwei Jahrzehnte anhalten wird, wobei der Schwerpunkt der Aktivitäten sich von den Küstenregionen ins Landesinnere verlagern wird. Der Baumaschinenverband CNCMA erwartet ein durchschnittliches jährliches Produktionswachstum von 17% bis 2015. Die von uns befragten Hersteller sind noch optimistischer, was sich in Plänen für den Kapazitätsausbau zwischen 200 und 400% in diesem Zeitraum ausdrückt.

Für den Landmaschinenbereich hat die chinesische Regierung Mechanisierungsziele formuliert, die recht eindeutige Schlüsse auf die weitere Entwicklung zulassen. Unternehmen mit einer bereits starken Position in diesem Segment erwarten aufgrund wettbewerbsfähigerer Produkte, einer stärkeren Unterstützung durch Subventionen sowie einer besseren Exportfähigkeit ein deutlich stärkeres Wachstum als der Markt. Abhängig vom Maschinensegment prognostizieren wir ein durchschnittliches jährliches Wachstum zwischen 14 und 28% bis 2015.

Bei konventionellen Gabelstaplern erwarten wir einen Rückgang des Wachstums auf durchschnittlich 5% pro Jahr bis 2015, bei komplexeren Flurförderfahrzeugen Zuwachsraten zwischen 15 und 17% in diesem Zeitraum. Die Anpassung an eine steigende Nachfrage nach elektrischen Gabelstaplern und Lagertechnikfahrzeugen wird einige der Hersteller vor große Herausforderungen stellen.

Weltgrößter Absatzmarkt, Etablierung als Exportbasis

Die guten Wachstumsaussichten locken immer noch neue Marktteilnehmer an. Das Risiko der Entstehung von Überkapazitäten ist daher nicht von der Hand zu weisen. Neben seiner Rolle als weltgrößter Absatzmarkt für mobile Arbeitsmaschinen wird China sich zunehmend als Exportbasis für inländische und ausländische Maschinenhersteller etablieren – ein Trend, der sich heute bereits abzeichnet.

Angesichts dieser Aspekte darf China nicht mehr ignoriert werden. OEMs wie Zulieferer müssen sich bei ihrer Strategiefindung stärker als je zuvor mit diesem Thema auseinandersetzen.

Mehr Informationen

Dies ist nur ein Überblick der Ergebnisse unserer neuen Studie "Der Markt für Mobile Arbeitsmaschinen in China". Detaillierte Informationen über Gliederung und Inhalt der Studie erhalten Sie auf der dafür eingerichteten Seite oder rufen Sie uns an +49 7621 55 00 440.