Neue Multi-Client Studie15.09.2020

Robotics in China

Makroökonomisches Umfeld: Gemischt

Die Covid-19-Krise hat alle Volkswirtschaften weltweit getroffen. China, das den ersten großen Ausbruch hatte und von Februar bis Anfang März durch einen vollständigen Lockdown ging, scheint zumindest für die Menschen im Inland den Weg zurück zur Normalisierung gefunden zu haben.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass alles in bester Ordnung wäre. Ausländische Anbieter von Produktionstechnologie, die in den letzten Jahren eine Präsenz im Land aufgebaut hatten, waren bereits 2019 mit einem herausfordernden Umfeld konfrontiert. Auf der Nachfrageseite hatten zum einen der Handelskonflikt mit den USA, aber auch Faktoren wie weiterhin steigende Schulden und stagnierende Produktivität einen negativen Einfluss auf die Konsumentenstimmung und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Bereits vor Covid-19 waren die Autoverkäufe auf dem größten Markt der Welt zum ersten Mal seit 1990 in zwei aufeinander folgenden Jahren zurückgegangen. Auch die Verkäufe von Industrierobotern waren 2019 zum ersten Mal rückläufig, nachdem sich ihre Zahl seit 2010 versiebenfacht hatte. Die Liste der Güter und Sektoren könnte fortgeführt werden. Für viele ausländische Unternehmen, die mit ihren globalen Großkunden aus dem Automobilbereich ins Land kamen und in diesem Markt nur Wachstum kannten, war dies eine unbekannte Erfahrung.

Im September 2020 steht die chinesische Wirtschaft nicht nur im Vergleich zu den meisten anderen Regionen der Welt betrachtet gut da, einige Sektoren haben sich seit April auch im Vergleich zum Vorjahr überraschend gut entwickelt. Dies ist größtenteils auf weitere Investitionen in Infrastruktur zurückzuführen, die auf bereits bestehenden politischen Initiativen aufbauen. Es bleibt abzuwarten, wie nachhaltig dies ist. Ausländischen Anbietern von Produktionstechnologie bietet dies allerdings insbesondere kurz- und mittelfristige Chancen im herausfordernden globalen Marktumfeld.

Eine Studie, die sich explizit mit der aktuellen Situation in den Zukunftsbranchen Elektronik, Halbleiter, Automotive Electronics, Batterietechnik, Medizintechnik, Aviation und Aerospace sowie Photovoltaik befasst, werden wir Anfang Oktober veröffentlichen.

Für die globale Roboterbranche derzeit ein Lichtblick

Zu den Branchen, die sich in China während dem 2. Quartal besser entwickelt haben als im selben Zeitabschnitt des Vorjahres gehört auch die Robotik. Basierend auf der Auswertung des Absatzzahlen der 20 führenden in- und ausländischen Herstellern von Industrierobotern in China wuchs der Markt von Anfang April bis Ende Juni um 3,8 Prozent. Im Jahresvergleich für das gesamte Halbjahr lag der Absatz 5,4 Prozent unter dem des Vorjahres (nach Stückzahlen betrachtet).

Die wachsenden Roboterverkäufe im zweiten Quartal 2020 waren hauptsächlich auf Nachholeffekte sowie die robuste Nachfrage aus dem Elektronikbereich, insbesondere nach SCARA-Robotern zurückzuführen (+40 Prozent). 

Der Umsatz mit Delta-Robotern erholte sich ebenfalls dank der steigenden Nachfrage aus den Bereichen Lebensmittel und Getränke, Gesundheitswesen und Elektronik (+22 Prozent). Weitere Segmente mit robustem Wachstum waren AGVs (+17 Prozent) und kollaborative Roboter (+9 Prozent). Sie profitierten insbesondere von der Wiederaufnahme von Projekten, die während des Ausbruchs gestoppt worden waren.

Der Absatz von klassischen Mehrachsrobotern (-10 Prozent) und Handhabungstechnologie (-6 Prozent) ging im zweiten Quartal weiter zurück, was hauptsächlich auf die anhaltend schwache Nachfrage aus dem Automobilbereich zurückzuführen ist.

Zum heutigen Zeitpunkt kann China damit durchaus als Lichtblick im globalen Robotikmarkt betrachtet werden. Einschränkend muss man allerdings hinzufügen, dass ein enormer Preisdruck besteht. So geht etwa Honyen, der am schnellsten wachsende einheimische Roboterhersteller des vergangenen Jahres momentan durch ein Insolvenzverfahren, nachdem es bereits im vergangenen Jahr Gerüchte über ausstehende Zahlungen an Lieferanten und Mitarbeiter gegeben hatte. DJI, der globale Marktführer im Bereich Consumer-Dronen, sah sich Mitte August dazu gezwungen, Berichte über Entlassungen zu dementieren. Zunehmende Sicherheitsbedenken in ausländischen Märkten dürften das internationale Geschäft für das Unternehmen nicht einfacher machen. 

Der Trend aus dem Vorjahr, nach dem einheimische Unternehmen ihren Marktanteil steigern konnten, hat sich zumindest bei den Industrierobotern nicht durchgesetzt. Dafür sorgten insbesondere die starken Verkaufsleistungen von EPSON, YAMAHA und FANUC im Bereich SCARA-Roboter.

Stark im Bereich Investitionen 

Unter Verwendung von Daten aus The Robot Report und unserer Transaktions-Datenbank in China hat unser Team 392 Unternehmenstransaktionen analysiert, die in den ersten sieben Monaten 2019 und 2020 in der globalen Robotikbranche stattgefunden haben. 

Angesichts der Covid-19-Pandemie verwundert es nicht, dass die weltweiten Investitionen in Robotikunternehmen von Januar bis Juli 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 60 Prozent zurückgingen. Die USA blieben mit mehr als 53,8 Prozent das Ziel mit den meisten Investitionen. 

China gewann 2020 an relativer Bedeutung. In den ersten sieben Monaten wurden 30,8 Prozent der Investitionen hier getätigt. Haupttreiber waren die Börsengänge mehrerer Hersteller von Industrierobotern und eines großen Integrators von Logistiksystemen sowie Investitionen in die mobile Robotik, AI-Chips mit Roboterbezug sowie 3D-Sensoren (Lidar).

Trotz der beeindruckenden Summen an Kapital befinden sich junge chinesische Robotikunternehmen in einem schwierigen Umfeld. Zu dem preissensitiven Heimatmarkt mit immer noch vergleichsweise günstigen Lohnkosten kommt nun auch immer mehr der schwierigere Zugang zu ausländischer Technologie. In fahrerlosen Transportfahrzeugen (AGVs) etwa kommen die Chips zu Steuerung aus den USA und Sensoren zur Raumerfassung aus Europa oder Japan. Die beiden in diesem Bereich aktiven Unternehmen Megvii und Hikvision wurden aufgrund ihrer Geschäftstätigkeiten im Bereich Massenüberwachung bereits mit amerikanischen Sanktionen belegt. Das mit über 300 Millionen USD ausgestattet Start-up Cloudminds, das im Silicon Valley und in China cloudbasierte humanoide Roboter entwickeln wollte, hat seine Niederlassung in Santa Clara aufgrund verschärfter Exportbestimmungen für kritische militärisch nutzbare Technologien im Frühjahr geschlossen.

Die traditionellen Stärken Europas und Japans bei Industrierobotern und Automatisierung spiegeln sich nur schwach in Investitionen in neue Bereiche der Robotik wider. Dies sollte sowohl für Unternehmer als auch für politische Entscheidungsträger Anlass zum Handeln sein.

Mehr Informationen zum chinesischen Robotermarkt

Die obigen Informationen sind aus unserer Studie “Robotics in China”, einer Neuauflage unserer erfolgreichen Analyse zu dem Thema aus dem Jahr 2018. Sie wird im Laufe des September erscheinen. 

Kontaktieren Sie uns für mehr Informationen per Email oder Telefon unter +49 7621 55 00 444, bzw. +86 21 6249 6806.