NEUE MULTI-CLIENT-STUDIE15.11.2012

Plastics & Rubber Machinery in China

Nach der Größe kommt die Qualität: Chinesische Hersteller von Plastik- und Gummimaschinen streben nun auch technologisch an die Weltspitze - sowie nach Wachstum ausserhalb ihrer Landesgrenzen.

Der größte Markt und Produzent für Plastik- und Gummimaschinen

Die VR China ist der größte Produktionsstandort und Absatzmarkt für Plastik- und Gummimaschinen auf der Welt. Ähnlich wie in anderen Branchen hat auch hier in den letzten fünf bis zehn Jahren deutliche Verschiebung des Schwerpunkts von West nach Ost stattgefunden. Im Bereich Plastik- und Gummimaschinen konnte China seinen Anteil an der Weltproduktion zwischen 2007 und 2011 verdoppeln, während der Anteil aller anderen wichtigen Produzenten jeweils zurückgegangen ist.

Kunststoff- und Gummimaschinenproduktion weltweit

Der größte Kunststoffspritzgussmaschinenhersteller Chinas, Ningbo Haitian, ist heute auch der weltweit größte Hersteller auf diesem Gebiet. Im Bereich Gummimaschinen kommen 14 der globalen Top 30 Unternehmen aus dem Reich der Mitte.

Exporte in Schwellenländer, Hauptimporteure Deutschland und Japan

Der überwiegende Teil der chinesischen Produktion an Plastik- und Gummimaschinen besteht aus einfachen und günstigen Maschinen. Sie werden in erster Linie in Schwellenländer exportiert, wo die Kundenbedürfnisse denen im chinesischen Heimatmarkt ähneln. Unter den zehn wichtigsten Exportdestinationen für Kunststoffmaschinen im Jahr 2011 waren die USA die einzige Industrienation.

Hauptexportmärkte für chinesische Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen

Importe von Plastikmaschinen kommen hingegen zu beinahe zwei Dritteln aus Deutschland und Japan – Ländern, die traditionell stark in der Herstellung hochwertiger Maschinen sind. Der Gesamtwert der Importe stieg dabei in den vergangenen Jahren trotz rückläufiger Stückzahlen – ein Indiz darauf, dass der Wert der importierten Maschinen stieg.

Generell besteht eine große Diskrepanz zwischen dem durchschnittlichen Preis exportierter und importierter Maschinen: Importierte Spritzgussmaschinen sind durchschnittlich dreieinhalb mal, Extruder und Granulatoren sogar 30 mal so teuer wie chinesische Exportmaschinen.

Weltmarktführer auf der einen Seite, stark fragmentierte Industrien auf der anderen

Die wichtigste Maschinengruppe im Bereich Plastikmaschinen sind Kunststoffspritzgussmaschinen. Dieser Maschinentyp macht etwa 50 Prozent der einheimischen Produktion aus, gefolgt von Extrudern (einschließlich Granulatoren und Streckblasmaschinen) mit 38,7 Prozent, der Rest sind sonstige Maschinen (Thermoforming etc.). Nach Angaben des chinesischen Fachverbandes für Plastikmaschinen existierten im Jahr 2011 546 inländische Hersteller in diesem Bereich, von denen wir die vielversprechendsten (77 inländische zuzügl. 18 internationale) identifiziert und analysiert haben.

Wie viele Branchen im chinesischen Maschinen- und Anlagenbau ist auch die Plastikmaschinenbranche noch sehr fragmentiert – die größten 10 Unternehmen sind lediglich für 39 Prozent der Umsätze innerhalb der gesamten Branche verantwortlich. Unangefochtener Marktführer im Bereich Spritzgussmaschinen ist Ningbo Haitian. Ferner existiert in diesem Segment eine Gruppe von 16 spezialisierten chinesischen Unternehmen mit Umsätzen zwischen 100 und 500 Mio. RMB. Im Vergleich zu der großen Anzahl an kleineren Unternehmen verfügen sie über internationales Know-How, überlegene Technologien und einen einfacheren Zugang zu Kapital, weshalb wir davon ausgehen, dass es in absehbarer Zeit zu einer zunehmenden Konsolidierung – nicht nur in diesem Bereich, sondern in der gesamten chinesischen Plastik- und Gummimaschinenbranche – kommen wird.

Das Segment der Extruder und Streckblasmaschinen ist kleiner als das der Kunststoffspritzgussmaschinen. Im Bereich Twin-Extruder, Röhrenproduktion und Mehrschichtextrusion scheinen chinesische Hersteller den Anschluss an das internationale Niveau geschafft zu haben. Unternehmen wie USEON erklären, mit renommierten deutschen Unternehmen Coperion und Leistriz zu konkurrieren.

Bei den Gummimaschinen haben wir 14 inländische Unternehmen analysiert, die für etwa 50% des Umsatzes der Branche (insgesamt 210 Unternehmen) verantwortlich sind. Hauptproduktgruppen sind Reifenaufbaumaschinen, Gummimisch- und -extrusionsmaschinen (einschl. Kalender) sowie Vulkanisierungsmaschinen.

Während Hersteller von Reifenaufbaumaschinen im unteren Marktsegment seit der Krise 2009 erhebliche Probleme hatten, konnten führende Unternehmen wie MESNAC (weltweit Nr. 2 in diesem Segment) oder Dalian Plastics and Rubber Machinery weiterhin ein starkes Wachstum verzeichnen. Im Bereich Mixer hat Yiyang die Patente für die Mixertechnologie von Krupp übernommen und konkurriert mit dem amerikanischen Unternehmen Farrel um den weltweiten Spitzenplatz in diesem Segment. Der Markt für Vulkanisierungsmaschinen ist sehr konzentriert: Zwei Staatsunternehmen teilen sich hier zusammen 80 Prozent des einheimischen Marktes.

Explosionsartiges Wachstum, qualitative Fortschritte, Internationalisierung

Im Zeitraum der 11. Fünfjahresplan-Periode hat die chinesische Plastikmaschinenindustrie nicht nur ihr Produktionsvolumen verdoppelt, sondern teilweise auch beachtliche qualitative Fortschritte erzielt. So brachte Ningbo Haitian im Jahr 2007 drei komplett neu entwickelte Modellreihen an Spritzgussmaschinen auf den Markt, die plötzlich in der Lage waren, 80 Prozent aller Anwendungen in diesem Bereich zu bedienen – zu attraktiven Preisen. Die Maschinen waren nicht nur in China ein großer Erfolg, sondern auch international: Der Absatz des Unternehmens beispielsweise in den USA wuchs zwischen 2006 und 2011 um 500%.

Mit Produktionsstätten in Deutschland und Vietnam, Forschungs- und Entwicklungszentren in Deutschland und Japan und einem deutschen Vorstandsmitglied ist Ningbo Haitian der internationalste chinesische Hersteller von Plastikmaschinen. Allerdings zeigen sich auch bei anderen Unternehmen aus diesem Bereich verstärkte Zeichen der Internationalisierung:

  • 5 Hersteller betreiben Produktionsstandorte in anderen Schwellenländern (Indien, Mexiko, Vietnam, Russland).
  • 5 Hersteller unterhalten F&E-Partnerschaften mit Unternehmen in Japan, Europa oder Nordamerika
  • 3 Hersteller haben F&E-Zentren in Europa, Nordamerika oder Japan
  • 3 chinesische Plastikmaschinenhersteller haben Unternehmen in Europa und Nordamerika gekauft. Und die Zahl der Übernahmen wird weiter steigen: Unter den Bietern für Krauss Maffei im Spätsommer 2012 galt ein chinesischer Wettbewerber lange als Favorit.

Im Bereich Gummi unterhält Mesnac zwei Entwicklungszentren in Europa und hat das US-amerikanische Unternehmen WYKO übernommen. Dalian Plastics and Rubber hat ein F&E-Zentrum in Kanada gegründet und ein Unternehmen in der Tschechei gekauft.

Verglichen mit anderen Branchen sind bereits relativ viele Hersteller von Plastikmaschinen an der Börse notiert, einige weitere streben dorthin.

Ernsthafte Herausforderungen, Konsolidierungswelle erwartet

Trotz dieser beachtlichen Erfolge steht die chinesische Plastik- und Gummimaschinenindustrie vor großen Herausforderungen, wie sie auch für andere Bereiche des chinesischen Maschinenbaus charakteristisch sind: Der Großteil der Unternehmen produziert einfache, günstige Maschinen. Die Entwicklung hochwertigerer Maschinen kommt bei vielen nicht oder nur schleppend voran – ein ernsthaftes Problem, da das Wachstum der kommenden Jahre in erster Linie im mittleren bis hohen Qualitätssegment erwartet wird.

Die Innovationskraft vieler Unternehmen ist gering. Gründe hierfür: Ein Mangel an qualifiziertem Personal, Kurzfristdenken auf Management- und Mitarbeiterebene sowie ein mangelnder Schutz geistigen Eigentums, der die Investitionsbereitschaft in Forschung und Entwicklung hemmt. Weitere Probleme sind ein geringer Automationsgrad in der Fertigung sowie ein schwaches Branding einheimischer Hersteller.

Ferner besteht nach wie vor eine starke Abhängigkeit von ausländischen Komponenten in den Bereichen Steuerungssysteme, Hydraulikpumpen, Ventile und Motoren.

Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, ob es China gelingt, sein Bildungs-, Politik-, und Rechtsystem zu reformieren, gewisse kulturelle Verhaltensweisen zu verändern und ein leistungsfähiger Standort für Hochtechnologie zu werden – oder in der Middle Income Trap steckenzubleiben.

Staatliche Förderung und Entwicklungsziele

Die chinesische Regierung sowie die zuständigen Fachverbände haben diese Herausforderungen erkannt und entsprechende Maßnahmen formuliert. Aufgrund seiner Bedeutung für die verarbeitende Industrie im Land, für eine vom Ausland unabhängige Verteidigungsindustrie, sowie die Zukunft des Landes als Hochtechnologiestandort genießt der Maschinenbau im Allgemeinen eine hohen Stellenwert bei der Regierung in Peking. Neben einer Reihe von generellen Plänen und Dokumenten für die gesamte Branche hat die chinesische Regierung die Kunststoffmaschinenindustrie in zwei Dokumenten explizit als förderungswürdig benannt und Entwicklungsziele definiert. Hierbei geht es in erster Linie um die Entwicklung größerer, energieeffizienterer und präziserer Maschinen sowie um Maschinen für die Verarbeitung neuartiger Verbundwerkstoffe.

Weiterhin solides Wachstum im mittleren und hohen Qualitätssegment, steigender Exportdruck

Der chinesische Plastikmaschinen-Fachverband erwartet für die Branche ein durchschnittliches Wachstum von 12 Prozent bis zum Jahr 2016. Tatsächlich ist der Verbrauch an Kunststoffen in China im Vergleich mit westlichen Industrienationen noch sehr gering.

Im mittleren bis hohen Qualitätssegment erscheinen uns diese Annahmen daher durchaus plausibel. Eine anhaltende Kapazitätsexpansion in den Bereichen Automobilbau, Medizintechnik, Energie und Umwelttechnik sowie der Aufbau neuer Schlüsselindustrien wie Flugzeug- und Eisenbahnbau wird für eine steigende Nachfrage nach hochwertigeren Maschinen sorgen. Chinesische Hersteller von Plastikmaschinen wollen dieses Feld stärker selbst besetzen und bauen neue, modernere Produktionsstätten auf. Zehn der von uns analysierten Unternehmen führen derzeit entsprechende Projekte durch und haben ehrgeizige Wachstumspläne, auch auf dem Weltmarkt.

Nicht zuletzt aufgrund der schwächelnden Leichtindustrie erwarten wir in den einfachen Maschinensegmenten hingegen nur noch ein geringes Wachstum.

Im Bereich Gummimaschinen geht der entsprechende Fachverband von einem durchschnittlichen Wachstum von 10-20 Prozent pro Jahr aus. Ziel ist eine Steigerung des Weltmarktanteils chinesischer Hersteller von 33,5 auf 50 Prozent bis zum Jahr 2016. Die von uns interviewten Maschinenhersteller sehen skeptischer in die Zukunft: Gegenwärtig sind nur zwei Kapazitätsexpansionsprojekte bekannt, und diese in erster Linie für die Produktion neuer Maschinentypen.

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